Hallenabriss und -neubau bei CLAAS Landmaschinenbau

„Wie bei einer Operation am offenen Herzen." 

BielefeldHarsewinkel

Themen: Industrie- und Produktionshallen

Die Nachfrage nach schlagkräftigen und effizienten Mähdreschern ist weltweit hoch. Immer höher und größer werden zugleich auch die Landmaschinen selbst. Um derartige Hochleistungsmaschinen nicht nur heute, sondern auch in Zukunft uneingeschränkt und effizient bauen zu können, investierte das Unternehmen CLAAS in Abriss und Neubau einer Produktionshalle mitten im Herzen des Stammsitzes in Harsewinkel. Der Geschäftsbereich Hochbau Bielefeld der Köster GmbH übernahm die Verantwortung für die komplexe Bauaufgabe. Abriss und Neubau der 14.000 m2 großen Halle wurden plangemäß innerhalb von 22 Wochen abgeschlossen.
 

Der Startschuss für die letzte Phase des 2017 von der CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen begonnenen Modernisierungsprojektes „SynPro2020“ fiel am 5. Juli 2021. An diesem Tag begannen die personalintensiven und minutiös vorgeplanten Abriss- und Neubauarbeiten für eine neue, hochmoderne Montagehalle. „Vermutlich fühlen sich Chirurgen bei einer Operation ähnlich“, spekuliert Projektleiter Stefan Bastian. „Präzises Arbeiten ohne Schäden an den umgebenden Arealen zu verursachen. Konzentrierte Verfolgung des OP-Zieles und nach dessen Erreichung alles wieder fein herrichten. Fehler müssen vermieden werden und die Vorbereitungen perfekt sein.“

„Der notwendige Abriss der alten Halle und der Bau unserer neuen, hochmodernen Fertigungshalle wurde von unserem Baupartner Köster auf den Tag genau pünktlich abgeschlossen, während in den umliegenden Hallen normal gearbeitet wurde. Damit konnten Stillstände und unnötige Kosten vermieden werden.“

Stefan Schulte, Director Manufacturing CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen
Hallen-Neubau bei CLAAS Landmaschinenbau

Stefan Schulte, Director Manufacturing bei der CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen, bescheinigt Köster die termingerechte Fertigstellung auf den Tag genau.

Anders als die ursprüngliche Halle sollte die neue nicht mehr nur 6 m, sondern 13,5 m hoch werden. Damit sollten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass auf ein- und derselben Montagelinie die Fertigung der Baureihen „LEXION“ und „TRION“ gleichermaßen erfolgen kann. Stefan Schulte, Director Manufacturing bei CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen in Harsewinkel, erklärt, warum das wichtig ist: „CLAAS fertigt mit teuren, hochmodernen Anlagen und dabei kundenorientiert mit breiter Ausstattungsvielfalt der Maschinen. Auf dem neuen Montageband müssen sich also flexibel unterschiedliche Landmaschinen in teils enormer Größe fertigen lassen.“ Im Stammwerk Harsewinkel könne CLAAS nach Abschluss aller Umbaumaßnahmen nun tatsächlich auch sehr große Mähdrescher montieren, die mit aufgeklapptem Korntank bis zu 5,5 m hoch sind.

Hallen-Neubau bei CLAAS Landmaschinenbau

Mit einer Höhe von 13,5 Metern ermöglicht die neue CLAAS-Halle mehr Flexibilität in der Produktion. Bildquelle: Köster GmbH

Vor allem in den letzten Wochen der Bauphase wurde parallel zu den abschließenden Arbeiten am Gebäude und der technischen Gebäudeausrüstung bereits mit dem Auf- und Einbau der neuen Montagelinie begonnen.

Nebeneinander und übereinander

Um „jeden Zentimeter Platz“ hätten die Baugewerke und die Anlagenbauer in dieser Phase gerungen, erinnert sich auch Projektleiter Stefan Bastian vom Hochbau Bielefeld. Keine Überraschung sei das allerdings im Industriebau, wie er betont.

„Industrieunternehmen, für die wir neue Gebäude realisieren, wollen deren Ausbau in der Regel so früh wie möglich in Angriff nehmen. Nicht selten müssen sogar Gebäudekonstruktionen um Produktionsanlagen herumgebaut werden. Hallenbau und Anlagenbau sind dann eng verzahnt und gemeinsam verantwortlich für den erfolgreichen Abschluss eines Projekts.“

Stefan Bastian, Projektleiter, Hochbau Bielefeld, Köster

Ein herausforderndes Projekt auch für die Technische Gebäudeausrüstung. Beispiel Lüftung: Rund 80.000 m3 Frischluft kann die Anlage pro Stunde in die Halle transportieren. Alleine die Lüftungszentrale wiegt 6 Tonnen. Bildquelle: Köster GmbH

Seine Kollegen von der Technischen Gebäudeausrüstung seien auf den verschiedenen Bühnen in 6 oder 12 m Höhe noch mit dem Aufbau tonnenschwerer Anlagen und der Installation von zum Beispiel mannshohen Lüftungsleitungen befasst gewesen. „Nebeneinander und übereinander“ hätten die Fachleute für die Technische Gebäudeausrüstung und die Anlagentechnik gearbeitet, erinnert sich Bastian schmunzelnd.

TGA mit enormen Dimensionen in 15 Wochen realisiert

Marco Böger, Bauleiter Technische Gebäudeausrüstung aus dem Team Hochbau Bielefeld, berichtet von vielfältigen Aufgaben: „Innerhalb von 15 Wochen haben wir eine flächendeckende Sprinklerung der neuen Halle und einiger Sozialbereiche, eine Untersprinklerung diverser Technikbühnen, des Skywalks und der technischen Installationen realisiert sowie die Sprinklerunterzentrale umgebaut.“ Auch ein Wandhydrantennetz wurde eingebaut. Die Entwässerung des Flachdachs erfolgt per Unterdruckentwässerungssystem. Flankiert wird dieses von einem Notentwässerungssystem, das zum Teil durch angrenzende Bestandshallen verlegt werden musste, in denen zeitgleich gearbeitet wurde.

Die Belüftung und Entlüftung der neuen Halle sichert eine 6 Tonnen schwere Lüftungszentrale, die just-in-time samt Traggerüst aus Stahl angeliefert und aufgestellt wurde, bevor das Trapezblechdach über der Halle geschlossen wurde. Rund 80.000 m3 Frischluft vermag die Technik pro Stunde in die Halle zu transportieren.

„In den Frischluftkanälen unter der Hallendecke kann man aufrecht stehen – die Dimensionen sind enorm.“

Marco Böger, Projektleiter Technische Gebäudeausrüstung, Hochbau Bielefeld, Köster

Beheizt wird die neue Halle über Deckenstrahlplatten, die mit Warmwasser aus neuen Verteilungen versorgt werden. Sie fanden ihren Platz auf zwei Technikbühnen in 6,5 m Höhe ab Bodenplatte. Ein neu installierter Gasbrennwertkessel deckt die Zeiten ab, in denen die zentrale Wärmeversorgung des Werks nicht in Betrieb ist und zwei Warmwasserheizregister erwärmen bei Bedarf die zugeführte Frischluft.

Für die Werkzeuge am CLAAS Montageband wurde ein Druckluftverteilnetz benötigt. „Eine Teilaufgabe, die wir schon drei Wochen vor Fertigstellungstermin abschießen mussten, damit der Kunde und die Anlagenbauer mit der Montage der Werkzeuge für die Mähdreschermontage beginnen konnten“, erinnert sich Marco Böger.

Abriss und Neubau der 14.000 m2 großen Halle wurden plangemäß innerhalb von 22 Wochen! abgeschlossen.

Ein „Stundenplan“ als Erfolgsgarant

Björn Evers, Leiter im Bereich Werkplanung bei CLAAS, beschreibt mit einem Satz, was vor dem 5. Juli 2021 das Engagement vieler forderte:

„Wir hatten vor diesem Stichtag Wochen lang gemeinsam mit Köster an einem komplexen Stundenplan gearbeitet, der exakt eingehalten werden musste.“

Björn Evers, Leiter im Bereich Werkplanung, CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen

Der Begriff „Stundenplan“ sei hier absolut wörtlich zu nehmen, denn man habe jedes Detail des Bauprozesses berechnet. Frühzeitig wurde die Vorproduktion von Bauteilen in Auftrag gegeben und die diffizile Anlieferung fertiger Elemente geplant. „Das war wichtig, denn wir mussten den Abbruch und sämtliche Baumaterialien über wenige, definierte Fahrwege durch andere Hallen und über geeignete Tore bzw. Durchlässe transportieren“, erklärt Projektleiter Stefan Bastian. Die nächstliegende öffentliche Straße sei von der Baustelle 250 m Luftlinie entfernt. Angesichts der ungeheuren Materialmengen sei die Anlieferung also zu einer besonderen Herausforderung geworden. „Die Dimensionen der Matrizen und Baukonstruktionen mussten genau an den möglichen Anfahrtsweg angepasst werden“, erläutert er.

Fertig! In den letzten Wochen der Bauphase wurde parallel zu den abschließenden Arbeiten am Gebäude und der technischen Gebäudeausrüstung bereits mit dem Auf- und Einbau der neuen Montagelinie begonnen.

Neubau bei laufendem Montagebetrieb 

In Spitzenzeiten waren bis zu 150 Mitarbeitende der diversen Baugewerke gleichzeitig auf der Baustelle im Herzen des Stammwerks von CLAAS. In zwei Schichten an sechs Tagen pro Woche hatten sie Zugang, um ihre Aufgaben termintreu zu erfüllen. Ein ausgefeiltes Hygiene- und Sicherheitskonzept sorgte dafür, dass der Schutz vor dem Coronavirus nicht zu kurz kam.

Projektleiter Stefan Bastian erklärt, wonach Köster die Partner für das Projekt bei CLAAS auswählte: „Es gab hier ja keinerlei Spielräume für Pannen oder Verzögerungen. Deshalb haben wir ein starkes Team aus erfahrenen Partnern gebildet. Ein großer Teil kommt aus dem Raum Ostwestfalen-Lippe und war uns bzw. CLAAS aus anderen Bauprojekten bereits gut bekannt. Alle Partner haben in ihrem Zeitfenster auf der Baustelle erfolgreich gearbeitet. Stark für die Region – jeder für sich und alle zusammen.“ Auch Björn Evers erinnert sich gerne an die hohe Qualität des Miteinanders. 

„Die einzelnen Arbeitsschritte mussten sich absolut akkurat und präzise zu einem Ganzen fügen. Und das klappte ausgezeichnet. Köster ist es erneut gelungen, ein Team mit vielen Unternehmern aus der Region zu bilden und hoch professionell zu steuern. Damit wurden unnötige Erschwernisse für die Mitwirkenden, aber vor allem ein für CLAAS teurer Zeitverzug vermieden.“

Björn Evers, Leiter im Bereich Werkplanung, CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen

„Kurs halten“ – dafür sei der Baudienstleister Köster da, wenn er für die Industrie baut, ist Stefan Bastian überzeugt. Gleichzeitig sei allerdings die Fähigkeit gefragt, sich flexibel und lösungsorientiert auf akute Erfordernisse einzustellen. „Kurz vor Baustart musste CLAAS uns mitteilen, dass die Montagebänder 14 Tage länger laufen müssen als geplant, dass wir also erst zwei Wochen später beginnen können“, erinnert er sich an eine solche „akute“ Anforderung. Rund vier Wochen harter Arbeit hätte es bedeutet, sämtliche bereits fertig geplanten Bauprozesse an das neue Zeitfenster anzupassen.

„Je präziser eine Vorplanung sein muss, desto aufwändiger eine Planänderung“, erklärt er. „Aber das war natürlich auch CLAAS vollkommen klar und so sind alle Projektbeteiligten mit dieser Herausforderung partnerschaftlich und konstruktiv umgegangen.“ Schlussendlich habe sich der Aufwand gelohnt, denn es sei gelungen, den verspäteten Baubeginn innerhalb von vier Wochen zu kompensieren. „Bereits der Stahlbau für die neue Halle konnte zum ursprünglich geplanten Termin am 9. August beginnen. Und so konnten wir die fertige Halle – wie ursprünglich geplant – pünktlich zum 22. Dezember 2021 zur Nutzung übergeben.“

Die Einfahrt zum CLAAS-Hauptquartier im nordrhein-westfälischen Harsewinkel. Das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 2021 rund 4,8 Milliarden Euro um und beschäftigte 11.957 Mitarbeiter. Am Umsatz gemessen ist CLAAS der fünftgrößte Landmaschinenhersteller weltweit.

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