Köster realisiert Verbindung von Denkmalschutz und Barrierefreiheit

Bau von 96 Seniorenwohnungen im ehemaligen Hotel Handelshof Mülheim

30. Oktober 2026 | Mülheim an der Ruhr

Themen: Sonstiger Hochbau

Seit 1906 prägt das Hotel Handelshof mit seiner stuckverzierten Fassade die belebte Friedrichstraße im Zentrum von Mülheim an der Ruhr. Das wird auch in Zukunft so bleiben –­ ­­auch wenn der Hotelbetrieb inzwischen Geschichte ist. Dafür sorgt die Blankbau-Gruppe, die hinter und neben dem denkmalgeschützten Gebäudeteil gemeinsam mit dem Baukomplettanbieter Köster dringend benötigten Wohnraum für Senioren schafft.
 

Insgesamt 96 barrierefreie 2- und 3-Zimmer-Wohnungen entstehen auf dem 3.500 m² großen Areal im Mülheimer Zentrum. Optimal ergänzt wird das Wohnangebot durch drei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss, die bereits vergeben sind: In einem Bereich wird der lokale Pflegedienst Behmenburg eine Tagespflege betreiben, in die zweite Einheit zieht die Physio- und Ergotherapiepraxis Vita Reha ein und in der dritten wird der Anbieter Lively attraktive Freizeitangebote für Seniorinnen und Senioren durchführen.

Im Handelshof entstehen 96 barrierefreie Wohnungen sowie drei Gewerbeeinheiten mit Angeboten für Pflege, Therapie und Freizeit für Seniorinnen und Senioren. Bildquelle: RKW Architektur+

„Herausforderung auf unterschiedlichen Ebenen“

Das Baugrundstück erstreckt sich über einen Häuserblock von der Friedrichstraße mit der denkmalgeschützten Front bis zur deutlich höher liegenden Teinerstraße. Während die Garageneinfahrt auf der Friedrichstraße ebenerdig angelegt wird, befindet sich die Garage an der Teinerstraße im 2. Untergeschoss. „Dieses Projekt stellt uns im Wortsinn auf unterschiedlichen Ebenen vor Herausforderungen. Mit der sogenannten ‚Mittelgarage‘ haben wir hier eine geeignete bauliche Lösung gefunden. Im Gebäude sorgen sogenannte Split-Geschosse für den nötigen Ausgleich zwischen den Ebenen“, beschreibt Dipl.-Ing. Oliver Hübl, der das Projekt für Köster leitet, die Situation vor Ort. „Neben den Niveauunterschieden des Geländes müssen wir auch die unterschiedlichen Stockwerkhöhen zwischen dem Bestandsgebäude und dem Neubau baulich miteinander verbinden.“ Hinter der Fassade bleibt nämlich ein sieben Meter tiefer Gebäudeteil des Handelshofes erhalten, in dem ebenfalls barrierefreie Wohnungen entstehen“, so Oliver Hübl.

Mehr als Fassade

Dass anders als bei vergleichbaren Projekten nicht nur die Fassade, sondern ein größerer Teil des Bestandsgebäudes erhalten bleibt, hängt im Wesentlichen mit der Statik zusammen. Im Gehweg vor dem Handelshof befinden sich viele Leitungen, die bei der Fundamentierung eines Stützgerüstes für die Fassade im Weg gewesen wären. Also entschied man sich dafür, einen sieben Meter tiefen Torso hinter der Fassade stehen zu lassen, zu entkernen und aufzustocken. Immer wieder stieß das Köster-Team dabei auf Überraschungen.

„Beim Rückbau im Bestand müssen wir sehr sensibel vorgehen und teils auch spontan auf das Vorgefundene reagieren. So haben wir an einigen Stellen provisorische Wände aufgemauert oder Stützen eingesetzt, um die Statik zu jeder Zeit sicherzustellen.“

Dipl.-Ing. Oliver Hübl, Projektleiter Köster GmbH

Nach der Fertigstellung vereine die äußere Gestaltung des Gebäudes Alt und Neu, wie Bauingenieur Oliver Hübl erklärt: „Während wir die Originalfassade nach allen Regeln des Denkmalschutzes erneuern, also beispielsweise Holzfenster einsetzen und mit Dämmputz arbeiten, werden die umliegenden Gebäudeteile mit Kunststofffenstern und einem Wärmedämmverbundsystem nach den modernsten bauphysikalischen Anforderungen versehen. An der Fassade zur Friedrichstraße hin nehmen wir bei der darüberliegenden Neubaufassade die Stuckornamentik des alten Hotels gestalterisch auf, sodass die charakteristischen Merkmale des Handelshofs besonders gut zur Geltung kommen.“ Auch Oberbürgermeister Marc Buchholz bezeichnete anlässlich des Richtfests am 15. Oktober 2026 das Vorhaben als Vorzeigeprojekt, das Altes bewahre und Neues schaffe.

Der Handelshof verbindet historische Fassadenelemente mit moderner, energieeffizienter Bauweise. Denkmalschutz und nachhaltige Gebäudestandards stehen dabei im Mittelpunkt. Bildquelle: RKW Architektur+

Damit Denkmalschutz, QNG-Förderzertifizierung (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, ein staatliches deutsches Gütesiegel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) und die angestrebte Platin-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) miteinander vereinbar sind, prüft eine Köster-Auditorin sorgfältig die Materialauswahl. Einen wesentlichen Anteil an der Zertifizierung hat zudem der Betrieb des Gebäudes. Hier zahlt sich der Anschluss ans Fernwärmenetz aus, und auch eine PV-Anlage wird von Köster vorgerüstet.

Acht Projekte in einem

Das Projektteam betrachtet die Erstellung des Gebäudes wie die Umsetzung von acht kleineren Projekten, die eng ineinandergreifen. Während die Hochbauarbeiten an der Teinerstraße bereits weit fortgeschritten sind, startete der Hochbau hinter dem Fassadenabschnitt als letztes. Dazwischen liegt der Neubauabschnitt mit dem sogenannten Split-Geschoss. „Ein Fokus bei diesem Projekt liegt in der präzisen Koordination der unterschiedlichen Schnittstellen. Vor allem die Übergänge zwischen den Neubauabschnitten und dem Bestand müssen sorgfältig geplant und umgesetzt werden“, betont der Projektleiter.

Trotz der Komplexität schreiten die Arbeiten zügig voran – auch dank des umfassenden Einsatzes von Fertigteilelementen, wie Oliver Hübl erläutert:

 „Wir setzen überall Fertignasszellen ein, außer im Bestandsbau, wo das aus statischen Gründen nicht geht. Auch die Decken und Wände werden vorgefertigt angeliefert. Das spart Bauzeit und schont zugleich die Nachbarn, weil weniger Lärm und Staub entstehen. Das ist gerade in einer so zentralen Lage ein echter Vorteil“, so Oliver Hübl.

Mit dem Richtfest in die nächste Phase

Das Richtfest am 15. Oktober 2026 markiert auch für den Bauherrn eine wichtige Phase: Nun können sich Mietinteressenten bereits in Wartelisten bei Blankbau eintragen. Die Vermarktung selbst beginnt im Frühjahr 2027. Volker Flemming, geschäftsführender Gesellschafter bei Blankbau, betonte: „Hier entsteht kein Luxusobjekt. Die Anlage bietet eine Menge Komfort, ist baulich auf dem Stand 2027. Sie soll aber nicht nur ein Ort für finanzkräftige Menschen sein.“

Damit aus Interessenten bald Mieter werden, legen sich alle Baupartner mächtig ins Zeug. So lobten die Richtfest-Redner ausdrücklich den engagierten Einsatz der beteiligten Handwerker. Wenn die Arbeiten weiter so zügig voranschreiten, wird der Handelshof im Mülheim voraussichtlich vorfristig zum Jahresende 2027 fertiggestellt.

Beim Richtfest am 15. Oktober 2026 wurde der Baufortschritt des Handelshofs in Mülheim gefeiert. Die Vermarktung der Wohnungen startet im Frühjahr 2027, die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant. Bildquelle: Köster GmbH

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