Ein Blickfang im Donauhafen Straubing-Sand: Mit ihrer Fassade aus Holz fällt die größte Logistikhalle aus Holz in Europa schon von weitem ins Auge. Bildquelle: Köster GmbH
Aber von Anfang an: Während sich der Holzbau im Büro- und Wohnungsbau bereits etabliert hat, taten sich Bauherren von Industrie- und Logistikimmobilien in der Vergangenheit mit der nachhaltigen Bauweise noch schwer. Aber das Interesse steigt – gut so, denn hinsichtlich steigender Energiekosten und dem zunehmenden Druck von Seiten der Politik (Stichwort EU-Taxonomie) ist jeder angehende Bauherr gut beraten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn wer nachhaltig baut, kann von vielen Vorteilen profitieren, zum Beispiel von besseren Finanzierungskonditionen der Kreditinstitute.
2025 kümmerte sich Diplom-Bauingenieur Michael Biederer um den Bau einer der größten Logistikhallen aus Holz in Europa. Köster realisierte das Projekt für ein Joint Venture aus GARBE Industrial und der europäischen Investmentgesellschaft Urban Partners (vormals Nrep) im Donauhafen von Straubing. Das Tragwerk mit Stützen und Bindern und die 8.000 m²-große Fassade entstanden vollständig aus Holz. 24.500 m² Bruttogrundfläche und 2.400 m² Lager- und Büromezzanine umfasst das Gebäude. Stolz lächelnd und mit einem Leuchten in den Augen berichtet Biederer: „Wir haben hier sogar den Fahrstuhlschacht aus Holz gebaut und verlegten die Holzfassade auch über zwei Brandwände. Ein Novum in der Branche.“ Dass das Gebäude ein Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhält, versteht sich fast von selbst.
Köster hat bereits einige Logistikhallen aus Holz oder in Holzhybridbauweise realisiert und sich diesbezüglich einen guten Ruf und einen komfortablen Wissensvorsprung erarbeitet.
Holz sei sein absoluter Lieblingsbaustoff, erzählt Diplom-Bauingenieur Michael Biederer von Köster begeistert. Bildquelle: Köster GmbH
Redaktion: Herr Biederer, warum ist Holz als Baustoff derzeit in aller Munde?
Michael Biederer: Das Ziel, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen, erfordert nachhaltigere Bauweisen. Deshalb besinnt sich die Branche auf den altbewährten, nachwachsenden Rohstoff Holz, der – richtig eingesetzt – in Sachen Nachhaltigkeit viel zu bieten hat, zum Beispiel die Speicherung von CO2.
Redaktion: Okay, Holz zahlt also auf das Konto Nachhaltigkeit ein. Mit welchen Vorteilen kann Holz als Baustoff denn sonst noch punkten, insbesondere für den Bau von Logistikimmobilien?
Michael Biederer: Da gibt es einiges zu nennen. Holz ermöglicht zum Beispiel schnellere Bauzeiten, weil ganze Bauteile wetterunabhängig im Werk vorproduziert können und vor Ort nur noch montiert werden müssen. Darüber hinaus ermöglicht Holz mit seinem fünfmal geringerem Gewicht gegenüber Stahlbeton Vorteile im Transport und in der Verarbeitung. Und Holz bietet ein wirklich fantastisches Raumklima. Wer schon mal in einer Logistikhalle aus Holz war, weiß, was ich meine. Und wer dort arbeiten darf, ist ein echter Glückspilz. Die Flexibilität hätte ich fast vergessen: Bei einem Projekt in Neuötting konnten wir aufgrund der Flexibilität des Baustoffs Holz rund 400 m² an Bruttogrundfläche hinzugewinnen. In Zeiten knapper Bauflächen ein echter Gewinn für Bauherren.
Redaktion: Und welche Nachteile bringt Holz als Baustoff mit?
Michael Biederer: Es gibt zahlreiche Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Holz. In der Praxis hat Holz als Baustoff nach meiner Ansicht keine Nachteile. Richtig geplant und konstruiert steht Holz auch in Sachen Beständigkeit anderen Baustoffen in nichts nach. Das belegen zahlreiche Bauwerke aus Holz, die schon seit hunderten von Jahren stehen.
Mehr noch: Unsere Holzhallen sind schon jetzt kreislauffähig. Das heißt, dass wir die gesamte
Halle – oder Teile davon – nach der Nutzungsphase ab- und woanders wieder aufbauen könnten. Auch die Holzfassade kann in Zukunft als bereits vorgealtertes Bauteil beispielsweise für Architekten interessant werden, die etwas Besonderes suchen.
Redaktion: Wie stehen Sie ganz persönlich zum Baustoff Holz?
Michael Biederer: Mein absoluter Lieblingsbaustoff!
Redaktion: Und was ist mit den Kosten?
Michael Biederer: Wer das Tragwerk richtig plant, muss nicht mehr zahlen als zum Beispiel für die herkömmliche Stahl-Beton-Bauweise.
Redaktion: Eine letzte Frage: Muss denn nun immer und alles aus Holz gebaut werden?
Michael Biederer: Auf keinen Fall. Wir bei Köster bauen auch nach wie vor Logistikimmobilien in klassischer Stahl-Beton-Bauweise, aber der Holzbau wird seinen Anteil einnehmen. Entscheidend sind die Ziele des Bauherrn. Einen gewissen Grad der Nachhaltigkeit erreichen wir auch durch andere Komponenten. So errichten wir mittlerweile Logistikhallen, die durch ein kluges Energiekonzept vollständig unabhängig von externen Energiequellen sind. Dafür werden beispielsweise Wärmepumpen der neuesten Generation sowie hocheffiziente PV-Anlagen mit einer Ladeinfrastruktur für einen elektrifizierten Fuhrpark eingesetzt. Auch der Einsatz von CO₂-reduziertem Beton ist bei uns an der Tagesordnung.
Auch die Mezzanine und der Fahrstuhlschacht entstanden in Straubing vollständig aus Holz. Für den Hallenboden kam CO2-reduzierter Beton zum Einsatz. Bildquelle: Köster GmbH
Angesprochen auf konkrete Zahlen bezüglich der CO₂-Einsparungen erläutert Biederer, dass es bei seinem aktuellen Projekt in Straubing in der Produktions- und Bauphase bezogen auf Tragwerkstruktur Einsparungen in Höhe von rund 127 % gegenüber herkömmlicher Stahl-Beton-Bauweise seien. Der Prozentwert von über 100 ergibt sich aus der Tatsache, dass Holz CO2 speichert.
Auf die Frage, wer solche Berechnungen anstellt, beginnt Biederer vom internen Nachhaltigkeitsteam bei Köster zu schwärmen. Das seien ausnahmslos Spezialisten, die in Sachen Nachhaltigkeit praktisch alles berechnen können, was von Bedeutung ist. Von der CO2-Bilanz über den Zirkularitätsindex bis hin zur Lebenszyklusanalyse. „Der belastbare Nachweis von CO2-Einsparungen und anderen positiven Effekten auf Nachhaltigkeitsaspekte sind für uns und für unsere Kunden von großer Bedeutung“, erklärt Biederer. Aus diesem Grund kooperieren wir eng mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut.
Das Logistikprojekt in Straubing findet auf jeden Fall auch international Beachtung. Im Rahmen der MIPIM (Marché International des Professionnels de l’Immobilier), eine der weltweit führenden Immobilienmessen, die jährlich im März im Palais des Festivals in Cannes stattfindet, wurde das Projekt als weltweit herausragendes Immobilienprojekt für den MIPIM Award in der Kategorie „Best Industrial & Logistics Project“ nominiert.
Weitere Informationen über die Holzbauaktivitäten von Köster finden Sie auf https://www.koester-bau.de/woodtec-logistik.html.
Auch eine Besonderheit der Logistikhalle im Hafen Straubing-Sand: Ein 12 Meter tiefes Vordach - ebenfalls aus Holz - ermöglicht die wetterunabhängige An- und Ablieferung von empfindlichen Gütern. Bildquelle: Köster GmbH
Unter der Bezeichnung Köster-Woodtec haben wir alle Leistungen rund um das Thema Holzbau zusammengefasst. Hier gelangen Sie zu unserer Seite "Holz-Logistikimmobilien".
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