Kreislaufwirtschaft im Reallabor

Köster unterstützt das Projekt kreisl Kiste der FH Münster

12. März 2026 | Münster

Themen: Unternehmen | Nachhaltigkeit

Noch verbraucht der Bausektor in Deutschland enorme Rohstoffmengen und verursacht große Mengen an Abfällen und CO2-Emissionen. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Kreislaufwirtschaft spielt eine immer größere Rolle in der Baubranche. Wie sie in der Praxis funktionieren kann, will eine Gruppe Studierender der FH-Münster mit dem außergewöhnlichen Bauprojekt kreisl Kiste zeigen, das direkt am Dom umgesetzt wird. Köster unterstützt das Team tatkräftig.
 

Im Frühjahr 2026 errichtet das Team einen Pavillon auf dem Domplatz in Münster als temporären Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Die kreisl Kiste soll ein Ort für Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden rund um nachhaltige Entwicklung und zirkuläre Wertschöpfung sein, aber auch zum Verweilen und Austausch bei einem Getränk gegen Spende einladen. Im Spätsommer wird das Gebäude wieder demontiert und für weitere Einsätze an anderen Standorten zwischengelagert. 

So wird sie aussehen, die kreisl Kiste aus wiederverwerteten Materialien auf dem Domplatz in Münster. Bildquelle: Jakob Eisermann | Team kreisl Kiste der FH Münster

Von der Theorie zur Praxis

Die Arbeitsgemeinschaft Planung & Bau leitet Prof. Dr. Anja Rosen von der Münster School of Architecture (MSA), dem Fachbereich Architektur der FH Münster. Gemeinsam mit der Projektleiterin Laura Krieger treibt sie die Umsetzung der kreisl Kiste voran. Mit ihren Studierenden hat Anja Rosen den zirkulären Pavillon und die besonderen Fassaden aus Wertstoffen entworfen. Die angehenden Architektinnen und Architekten fertigen diese in den Werkstätten der Hochschule.

Die Herstellung des Pavillons basiert ausschließlich auf wiederverwerteten Materialien. So wird die Fassade zum Beispiel aus Folien ausgedienter LCD-Bildschirme hergestellt. „Alle weiteren Bauteile waren bereits einmal in einem Gebäude verbaut. Beispielsweise wurden die Fenster aus einer abgebrochenen Schule in Sprakel vom ursprünglichen Hersteller zerstörungsfrei ausgebaut, sodass wir diese im Pavillon wieder einsetzen können“, erklärt Rosen. „Normalerweise entsteht erst der Entwurf, dann werden die Materialien beschafft. Bei der kreisl Kiste ist es andersherum“, so die Expertin für Circular Construction. Bei dem Projekt arbeite man nach dem Motto: „Design follows Availability“. Das Team richte die Planung nach der Verfügbarkeit gebrauchter Bauteile aus. Ein anspruchsvolles Vorgehen:

„Wir möchten die Hürden im bestehenden System aufzeigen und anpacken. Auch Rückschläge sind ausdrücklich Teil des Prozesses, damit wir wissen, wo die Knackpunkte liegen - ein echtes Reallabor.“

Prof. Dr. Anja Rosen, FH Münster

Professorin Dr. Anja Rosen von der FH Münster trieb die Umsetzung der kreisl Kiste voran. Die teilnehmenden Studierenden sind mit Begeisterung bei der Sache. Bildquelle: FH Münster

Köster unterstützt kreisl Kiste

Zu den Partnern, die das Projekt tatkräftig unterstützen, zählt auch der bundesweit agierende Baukomplettanbieter Köster. Diplom-Ingenieur Architekt Mark Niehüser, Berater für Kreislaufwirtschaft bei Köster, freut sich, dass es dem Team gelungen ist, dem Thema Kreislaufwirtschaft an einem der prominentesten Orte in Münster, eine Bühne zu bereiten. Die vergleichsweise kleine kreisl Kiste werde direkt neben dem imposanten, „für die Ewigkeit“ gebauten Dom temporär einen zukunftsweisenden baulichen Kontrapunkt setzen.

„Hier werden die beiden wichtigen Aspekte der Kreislaufwirtschaft perfekt abgebildet: Die Herstellung eines Gebäudes ausschließlich aus wiederverwerteten Materialien und die komplette Rückbaubarkeit zur erneuten Nutzung.“

Dipl.-Ing. Architekt Mark Niehüser, Köster GmbH

Diplom-Ingenieur Architekt Mark Niehüser, Berater für Kreislaufwirtschaft bei Köster, freut sich über das Engagement der Studierenden des Fachbereichs Architektur der FH Münster. Bildquelle: Köster GmbH

Die Studierenden leisteten hier die Umsetzung theoretischer Modelle in die Baupraxis, so Mark Niehüser. „Sie stellen sich den Fragen, mit denen sich die Bauwirtschaft und auch unser Unternehmen aktuell beschäftigen.“ Die Köster-Niederlassung in Münster unterstützt das Projekt auf unterschiedlichen Ebenen. „Wir helfen zum Beispiel bei der Materialbeschaffung. So liefern wir Platten für die Gestaltung der Innenräume. Einer unserer Baupartner konnte zudem beschichtete Schalungsplatten beisteuern, die für den Bau der Außenwände eingesetzt werden.“ Das Vorgehen passe gut zum gezielten Materialstrommanagement bei Köster. Über eine interne Kommunikations-Plattform können zum Beispiel die einzelnen Köster-Unternehmensbereiche deutschlandweit Gesuche und Angebote austauschen, wie Niehüser erklärt: „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Materialverschwendung und von Abfällen.“

Neben der materiellen Unterstützung liefert Köster auch inhaltlichen Input: In der Themenwoche, die im Juni in der kreisl Kiste stattfindet, wird Mark Niehüser einen Vortrag über das Köster-Urban-Mining-Projekt Rehmstraße halten, das von Prof. Dr. Anja Rosen wissenschaftlich begleitet wurde. „Wir haben beim Rückbau einiger Gebäude in Osnabrück die 120 Jahre alten Ziegel im großen Stil „geerntet“ und werden diese nun wiederverwenden. Inzwischen setzen wir auf maschinelle Aufarbeitung, was die Ziegelernte wirtschaftlich interessant macht.“ Das sei nur eins von vielen Beispielen, mit denen Köster das Thema Kreislaufwirtschaft aktiv umsetze. Und es stehe für die Veränderungen, die sich derzeit in der Baubranche vollziehen. „Die Studierenden des kreisl-Projekts werden diese in Zukunft weiter vorantreiben“, ist sich Mark Niehüser sicher. Dazu benötigen sie allerdings dringend weitere Unterstützung und haben deshalb eine Crowdfounding-Kampagne gestartet: https://www.startnext.com/en/kreisl-kiste

Auf dem Vorplatz des Doms in Münster wird die kreisl Kiste im Frühjahr 2026 temporär aufgebaut. Bildquelle: Stadt Münster/Maren Kuiter; Bildquelle des Headerfotos FH Münster: Presseamt Münster/MünsterView

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