Das Entsorgungszentrum Schaumburg wurde im Jahr 1993 in Betrieb genommen und verfügt über eine Gesamtablagerungsfläche von ca. 16 ha in sechs Verfüllabschnitten. Seit Juli 2025 erbringt die Köster Umwelttechnik in den Abschnitten 1 und 2 vielfältige Leistungen des Tief-, Erd- und Deponiebaus. Aufgabe ist es, jeweils die endgültige Oberflächen-abdichtung und Entwässerungseinrichtungen in beiden Abschnitten herzustellen sowie die Entgasungsinfrastruktur zu schaffen bzw. zu modernisieren. Eine Herausforderung: Unmittelbar am Böschungsfuß des Deponiekörpers befinden sich in beiden Bauabschnitten sensible Schachtbauwerke (Gasschächte, Spülschächte, Sickerwasserpumpwerk) sowie Schaltschränke, Grundwassermessstellen und zwei Gassammelstationen. Dies galt es bei der Ausführungsplanung und Einweisung der Nachunternehmer zu berücksichtigen und eine Beschädigung der Bauwerke zu jeder Zeit auszuschließen.
Auf einer rund 16 Hektar großen Deponiefläche mit sechs Verfüllabschnitten übernimmt die Köster Umwelttechnik seit Juli 2025 in den Abschnitten 1 und 2 die Herstellung der Oberflächenabdichtung, der Entwässerung sowie der Entgasungsinfrastruktur. Bildquelle: Köster GmbH
Betriebsingenieurin Ulrike Voß, die das Projekt für die aws verantwortlich leitete, spricht von guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit:
„Köster überzeugte anfangs mit dem wirtschaftlichsten Angebot und in den zurückliegenden Monaten mit hoher Zuverlässigkeit. Die Zusammenarbeit ist angenehm und immer lösungsorientiert.“
Im 2001 geschlossenen Verfüllabschnitt 1 hatte sich der Deponiekörper nach Aufbringung des temporären Oberflächenabdichtungssystems wie erwartet unterschiedlich gesetzt. Ein Mindestgefälle von 5% war deshalb nicht mehr in allen Bereichen der Oberfläche gegeben. Zur schadlosen Ableitung des Niederschlagswassers sowohl oberflächig als auch in der Dränmatte sollte daher oberhalb der vorhandenen mineralischen Dichtung eine Neuprofilierung vorgenommen werden. Die Endkubatur durfte dabei die genehmigte maximale Endhöhe von +64,00 mNHN nicht überschreiten. Gearbeitet wurde überwiegend mit Böschungsneigungen von 1:3. Im Plateaubereich beträgt die Neigung 1:20. Die 2002 temporär eingebaute Rekultivierungsschicht wurde zunächst sukzessive abgetragen, gelagert und später im Verfüllabschnitt 2 als Rekultivierungsschicht erneut eingebaut. Gleichzeitig wurden die Gassammelleitungen und eine Dränmatte zurückgebaut. Nach Abschluss dieser Arbeiten entstand die endgültige Kubatur im Abschnitt 1.
Um zu unterbinden, dass Niederschlagswasser eindringt und Gas unkontrolliert emittiert, wurde der Abfallkörper mit einem Oberflächenabdichtungssystem, bestehend aus einer Trag- und Ausgleichsschicht, einer geosynthetischen Tondichtungsbahn (Bentonitmatte), Kunststoffdichtungsbahn (KDB), Dränmatte und Rekultivierungsschicht versehen. Besondere Sorgfalt galt dabei deren fachgerechtem Anschluss an die vorhandenen Gasbrunnen, Gasmesspegel und Belüftungspegel. Abschließend wurde eine neue Rekultivierungsschicht aufgebracht und eingesät. In ähnlicher Weise wurde der Verfüllabschnitt 2 abgedichtet.
Der Baufortschritt ist deutlich sichtbar: Bis Ende November werden rund 100.000 Tonnen Deponieersatzbaustoffe und 120.000 Tonnen Rekultivierungsmaterial verarbeitet sowie über 4.500 Meter neue Rohrleitungen verlegt. Bildquelle: Köster GmbH
An den Böschungsfüßen wurden neue Entwässerungsmulden mit Randverwallungen aus bindigem Boden angelegt, um Drän- und Oberflächenwasser zu fassen und abzuleiten. Vier vorhandene Muldenablaufschächte galt es zu erhalten und weitere zu schaffen, die an die vorhandene Regenwasserkanalisation angeschlossen werden können.
Während der gesamten Bauarbeiten musste anfallendes Oberflächen- und Sickerwasser zuverlässig abgeführt werden. Aus den Böschungen austretendes Sickerwasser und von der ungedichteten Oberfläche abfließendes Wasser wurde hierzu in den Flächendrän des Basisdichtungssystems eingeleitet. Um Verschlammungen oder Versandungen des Dräns zu vermeiden, wurden Einrichtungen zum Schlamm- und Sandfang vorgeschaltet. Einschwemmungen in den Flächendrän wurden durch Vliesabdeckung verhindert.
An der Nordseite von Verfüllabschnitt 2 wurde zur Erweiterung der vorhandenen Kanalisation eine neue Regenwasserleitung verlegt, an die diverse Ablaufleitungen aus dem Deponiekörper angeschlossen wurden. An der Südseite konnten bestehende und neu erstellte Muldenablaufleitungen an die vorhandene Regenwasserkanalisation bzw. an den südlich der Betriebsstraße verlaufenden Entwässerungsgraben angeschlossen werden. Aufgrund der großen Entwässerungslängen im südlichen Plateaubereich wurde eine Fangdränage zur Fassung und Ableitung des Dränwassers eingebaut.
Parallel zur Herstellung der Oberflächenabdichtung in Verfüllabschnittt 1 und 2 wurden im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) diverse Maßnahmen zur Optimierung der Gaserfassung im Verfüllabschnitt 1 und zur aeroben in situ Stabilisierung in Verfüllabschnitt 2 ergriffen. Hierzu wurden drei zusätzliche Gasbrunnen im Verfüllabschnitt 1 gebohrt und die bestehenden höhenmäßig an die Endhöhen der Oberflächenabdichtung angepasst. Alle Brunnen wurden mit neuen Leitungen an die bestehende Sammelstation angeschlossen. Zum Ausgleich von Setzungen bzw. Spannungen im Bereich der Anschlüsse von Leitungen an die Station wurden Edelstahlwellschläuche verlegt. An zwölf bestehenden Brunnen wurden Einrichtungen zur Deponiegasbeprobung nachgerüstet.
Im Verfüllabschnitt 2 bohrte die Köster Umwelttechnik u.a. vier neue Gasbrunnen mit einer Tiefe von bis zu 17 Metern und errichtete parallel eine neue Sammelstation in geschlossener Containerbauweise. Die vier neuen Gasbrunnen sowie die sechs vorhandenen Gasmesspegel wurden an die neue Sammelstation angeschlossen. Brunnen und Messpegel wurden mit verschließbaren Abdeckungen mit Be- und Entlüftung eingehaust. Neu installierte Temperaturfühler übertragen per Funksignal Daten für die zentrale Überwachung der Prozesse im Deponiekörper. In der Gasdränageschicht der Oberflächenabdichtung wurden passive Belüftungspegel errichtet und horizontale Gasdränagerohren verlegt sowie Temperaturmesseinrichtungen in insgesamt acht Gasbrunnen installiert.
Die Entsorgung des abgesaugten Deponiegases erfolgt für Verfüllabschnitt II über eine Schwachgasfackel und für den Verfüllabschnitt I über ein BHKW.
Die Arbeiten wurden bei laufendem Deponiebetrieb umgesetzt. Dabei mussten bestehende Anlagen erhalten, neue Bauwerke integriert und die Funktion aller Systeme jederzeit sichergestellt werden. Bildquelle: Köster GmbH
Für die Abscheidung von Kondensat wurde ein neuer Schacht eingebaut, mit dem vorhandene und neu geschaffene Gastransportleitungen über doppelwandige Rohrverbindungen verbunden wurden. Mitgeliefert wurden zugleich Stromleitungen und Datennetzwerkkabel sowie die Erdung für die gesamte Entgasungsinfrastruktur.
Arbeiten wie auf der Deponie Sachsenhagen, wo bereits Teilbereiche mit einem Entgasungssystem und einer Entwässerung ausgerüstet sind, müssen mit größter Sorgfalt ausgeführt werden, um Beschädigungen an vorhandenen Anlagen zu vermeiden. Die Köster Umwelttechnik verfügt über langjährige Erfahrung im Deponiebau und berücksichtigt Herausforderungen wie diese bereits in der Planungsphase.
In Sachsenhagen wurde auch während der Bauarbeiten im Verfüllabschnitt 3 regulär gearbeitet – die Planung durch Köster vermeidet zuverlässig Beeinträchtigungen laufender Betriebsprozesse. Gleichzeitig sichern die Projektteams regelkonforme Eigen- und Fremdprüfungen, wodurch Fehler in der Bauausführung vermieden werden.
„Wir wissen, dass Fehler bei der Bauaufsicht und Prüfung die Betriebsgenehmigung für eine Deponie gefährden können. Entsprechend halten wir uns zuverlässig an alle Vorgaben. Mängel, die von einem Fremdprüfer der aws erkannt werden, beseitigen wir mit unseren Nachunternehmern fristgerecht.“
Michael De West ist ein Polier mit langjähriger Erfahrung in der Umwelttechnik und besitzt Sachkunde im Bereich des Arbeitsschutzes, des Explosionsschutzes, im Umgang mit Gefahrstoffen und im Bereich der Messtechnik von Gefahrstoffen. Von seinem in 20 Jahren gesammelten Wissen profitieren nicht nur die Auftraggeber, sondern auch jüngere Kollegen wie Bauleiter Joey Trennhaus, der sich erst vor Kurzem für die Leitung des Projekts empfahl.
Sorgfältige Planung, kontinuierliche Qualitätskontrollen und die enge Abstimmung aller Bauabläufe gewährleisteten eine sichere und störungsfreie Umsetzung des Projekts. Bildquelle: Köster GmbH
„Bei Köster werden Projekt-Teams klug zusammengesetzt – viel praktische Erfahrung wird mit Nachwuchskräften wie mir verknüpft, die sich z. B. um die Dokumentationen und Steuerungsprozesse kümmern.“
Für die aws ebenso wie für Köster spielte die Sicherheit auf der Baustelle zu jeder Zeit eine zentrale Rolle. Wer auf einer Deponie arbeitet, soll zuverlässig vor Gesundheitsrisiken geschützt werden. Arbeitsmediziner überprüfen deshalb vor und nach jedem Deponie-Projekt die Gesundheit der Mitarbeitenden vor allem auf eventuelle Schadstoffbelastungen. Vorbeugend absolvieren Poliere und Bauleiter von Köster regelmäßig Seminare der BG Bau zum Arbeitsschutz in Gefahrenbereichen.
Köster ist nach DIN EN 45001 zertifiziert. Das belegt, dass das Unternehmen über ein langjährig etabliertes, geprüftes Managementsystem für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz (SGU) verfügt. Da das Zertifikat regelmäßig durch Audits erneuert werden muss, dokumentiert es zugleich eine solide etablierte Sicherheitskultur. Alle operativ tätigen Mitarbeiter und Führungskräfte verfügen über nachgewiesenes Fachwissen im Arbeitsschutz, das durch anerkannte Schulungen und Prüfungen erworben wurde.
Die für die aws erstellte Baudokumentation enthält alle für die Zukunft relevanten Angaben zu den jetzt geschlossenen Verfüllbereichen auf der Deponie Sachsenhagen. Dazu gehören Aufmaße zu den Bohrtiefen, Leitungstrassen, Gräben, Gasbrunnen und Siphons, zum Abfallplanum, zur Profilierung und Deponieoberfläche sowie Nachweise über Bohrtiefen. Darüber hinaus gehören zur Dokumentation alle Abschlussberichte der Eigen- und Fremdprüfung, Materialzeugnisse, DVGW-Nachweise, Schweißnachweise, Verlegepläne, Bestandspläne und eine Stückliste mit Herstellerangaben, Fabrikatbezeichnungen und Wartungsanweisungen. Die gesamte Dokumentation entsteht bei Köster baubegleitend und unterstützt die behördliche Abnahme durch das Gewerbeaufsichtsamt.
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