Die Erweiterung des Schulstandortes am Anna-Susanna-Stieg ist ein wichtiger Teil für die langfristige Entwicklung des Schulcampus. Das dreigeschossige Gebäude umfasst zwei sogenannte Jahrgangscluster – also alle Räumlichkeiten, die für den Unterricht und das Lernen von zwei Jahrgängen benötigt werden. Die moderne Mensa kann durch den benachbarten Bühnenraum zu einem Theatersaal erweitert werden. Eine Einfeld-Turnhalle gehört ebenfalls zum Erweiterungsbau. Sie wird nicht nur von Schülerinnen und Schülern genutzt, sondern steht auch Vereinen zu Trainingszwecken zur Verfügung. Deshalb verfügt das Gebäude zusätzlich zum Haupteingang über einen Zugang für externe Sporthallennutzer, der auch von den Zulieferern der Mensaküche genutzt wird.
Die Gestaltung nimmt Bezug zu den Bestandsgebäuden auf dem Campus, aber auch zu den benachbarten Wohngebäuden: Es ist eine Kombination aus hellrotem Verblendstein, Holz-Alu-Fenstern, einem rötlichen textilen Sonnenschutz und rötlichen Deckschalen. Das Verblendmauerwerk ist durch ein feines Linienspiel sowie Bereiche mit Strukturmauerwerk optisch gegliedert.
Für das Köster-Team ist dieser Schulbau keine alltägliche Aufgabe, zumal auf dem benachbarten Gelände – abgeschirmt durch einen hohen Bauzaun – der Schulbetrieb weiter geht. Die Projektleitung steht in engem Austausch mit der Schulleitung, damit Lernen und Bauen gleichermaßen gut vorankommen. Schon zum Baubeginn wurden die Kinder an das Projekt herangeführt: „Beim Spatenstich waren die Klassensprecher eingeladen und konnten ihre Schule mit Sandformen auf einem kleinen Baufeld nachbauen.“ erklärt Köster-Projektleiterin Ann Kathrin Goldkamp (M.Sc. Architektin). Inzwischen ist die Baustelle für die Kinder nichts Besonderes mehr. „Auch wir haben uns gut an das Umfeld angepasst“, lacht Ann Kathrin Goldkamp. „Besprechungen führen wir möglichst außerhalb der Pausenzeiten durch, denn dann tobt auf dem Hof nebenan das pralle Kinderleben.“
Eine größere Herausforderung stellt hingegen die Baustellenlogistik dar. Alle An- und Abtransporte von Maschinen und Material erfolgen über eine schmale Sackgasse, die LKW müssen rückwärts eingewiesen werden. Auch die Lagerflächen auf der Baustelle sind knapp – vor allem in der bevorstehenden Ausbauphase.
In Hamburg-Schnelsen realisiert Köster den Erweiterungsbau der Grundschule am Anna-Susanna-Stieg – mit Turnhalle, Mensa und weiteren Räumen, die zwei Grundschuljahrgänge für einen guten Lernalltag benötigen. Bildquelle: SEHW Architekten
Während viele bauliche Anforderungen zu den Standardaufgaben des Köster-Teams zählen, unterscheiden einige Ausstattungsmerkmale den Bau der Schule von anderen Hochbau-Projekten. In der Sporthalle wird beispielsweise ein spezieller Hallenboden verlegt und die Wände im unteren Bereich als sogenannte Prallwände ausgerüstet, um Verletzungen zu vermeiden. „Außerdem schließen wir das Erweiterungsgebäude über Glasfaserkabel an die Anlagentechnik im Altbestand an. Brandmelder und Amokalarm müssen entsprechend kompatibel sein, da macht SBH entsprechende Vorgaben“, zählt Ann Kathrin Goldkamp weitere Aspekte auf. Die Umsetzung der DGNB-Zertifizierung (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen) sowie der darauf basierenden QNG-Zertifizierung zählt für das Team dagegen zu den üblichen Leistungen. Um diese zu erfüllen, wird unter anderem Beton, der zu 30% aus Recyclingmaterial besteht, eingesetzt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert sowie die Dachbegrünung auf einem zu 30% aus Recyclingmaterial bestehenden Substrat umgesetzt. Auch der Einsatz von Fertigtreppen und vorgefertigten Hohlraumdecken, die insbesondere für das Überspannen der großen Räume wie Mensa und Turnhalle nötig sind, ist für das Team keine Besonderheit.
Es geht gut voran auf der Baustelle der Grundschule am Anna-Susanna-Stieg. Hier schließen Rohbau-Spezialisten die Decke des ersten Obergeschosses. Bildquelle: Köster GmbH
Dass Köster als Generalunternehmer (GU) bundesweit Aufträge für die öffentliche Hand umsetzt, ist keine Selbstverständlichkeit, denn eigentlich gilt für kommunale Bauvorhaben immer noch: Einzelgewerk-Vergabe geht vor GU-Vergabe. Letztere muss immer gerechtfertigt werden und erfolgt in einem aufwändigen, zweistufigen Vergabeverfahren. Dennoch entscheidet sich SBH – ebenso wie andere größere Kommunen – beim Schulbau inzwischen immer häufiger für die Vergabe an Generalunternehmer (GU) wie Köster. „Für die Kommunen überwiegen die Vorteile. Entscheidend ist dabei, dass sie für die Umsetzung des Projektes und auch für Gewährleistungsfragen nur einen Ansprechpartner haben. Die strenge Einhaltung der Zeit- und Kostenplanung steht ebenfalls im Fokus“, erklärt Köster-Vertriebsingenieur Sascha Behrendt. Die Anforderungen an die Generalunternehmer seien entsprechend hoch, die Vergabeverfahren streng standardisiert. Schließlich geht es um die Gelder der Steuerzahler und um die Schaffung optimaler Räume für die Bildung. Neben dem Preis fließen deshalb auch Referenzen, die Qualität der Planungen für die Ausführung, die Bauabläufe und die Baustellenlogistik, sowie ein Nachhaltigkeitskonzept für die Baustelle in die Vergabeentscheidung ein.
Köster Hochbau Hamburg konnte SBH bereits in mehreren Auswahlverfahren überzeugen, wie Sascha Behrendt erklärt: „Wir werden neben der Grundschulerweiterung am Anna-Susanna-Stieg auch die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht Hamburg (NoA) und die Sonder- und Grundschule an der Hammer Straße realisieren.“ Weitere Projekte im Bereich Bildungsbau seien nicht ausgeschlossen. Immerhin bewirtschaftet SBH laut eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit dem Gebäudemanagement Hamburg etwa 3.000 Gebäude mit ca. drei Millionen Quadratmetern Fläche und setzt jährlich Bau- und Sanierungsmaßnahmen mit einem Volumen von rund 350 Millionen Euro um.
Ein Klassenraum im Rohbau. Nach dem Innenausbau werden Schülerinnen und Schüler der Grundschule am Anna-Susanna-Stieg hier schon bald ihr Wissen vermehren. Bildquelle: Köster GmbH
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