Köster gestaltet die Energiewende mit 

Die Zukunft braucht schnelle Energietrassen und ein verändertes Netz

9. Juli 2026 | Osnabrück

Themen: Energieinfrastruktur

Jahrzehntelang wurde Strom in der Region produziert, in der er gebraucht wurde. Der Umstieg auf erneuerbare Energien, bei dem insbesondere die Windkraft eine große Rolle spielt, führt dazu, dass Strom große Distanzen zwischen Erzeugung und Verbrauch zurücklegen muss. Die Grundlage hierfür bilden Hochspannungsgleichstromübertragungs-Trassen (HGÜ-Trassen), mit denen Energie auch über große Entfernungen verlustarm transportiert werden kann. Auch die lokale Netzinfrastruktur verändert sich durch die Nutzung erneuerbarer Energien. Die Experten-Teams von Köster sind an den unterschiedlichsten Bauvorhaben beteiligt – von der „Stromautobahn“ bis zur „letzten Meile“.
 

Das Stromnetz verändert sich grundlegend. Klimaschutz, nahezu unerschöpfliche Verfügbarkeit, Unabhängigkeit und lokale Wertschöpfung sind gute Argumente, um in Deutschland bei der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien zu setzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Windkraft auf See (Off-Shore): Bis 2035 soll eine installierte Leistung von mindestens 40 Gigawatt erreicht werden. Bis 2045 sollen es 70 Gigawatt sein. Auch die Windenergieerzeugung an Land soll weiter ausgebaut werden. Der überwiegende Teil der Windkraftanlagen – insbesondere die leistungsstarken Off-Shore-Windparks – befindet sich im Norden, während sich viele energieintensive Unternehmen, beispielsweise der Chemie- und Automobilindustrie, im Süden des Landes angesiedelt haben. Diese Distanz soll mithilfe neuer, leistungsstarker Trassen überwunden werden. Dazu werden im Rahmen der Bauvorhaben Ultranet, SuedOstLink und SuedLink Trassen in sechs sogenannten Korridoren durch ganz Deutschland verlegt.

Diese Karte zeigt die bedeutendsten Gleichstromtrassen, die im Rahmen der Energiewende entstehen. Am Bau vieler Trassen ist Köster direkt beteiligt. Bildquelle: Köster GmbH

Die Trassen wurden aufgrund einer Verbrauchsanalyse ermittelt und werden in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur nach den entsprechenden Beteiligungs- und Beratungsverfahren von den Unternehmen Amprion, Tennet, 50 Hertz und Transnet BW errichtet.

Was muss eine Stromautobahn können?

Angesichts der großen Distanz ist es wichtig, dass der Strom mit möglichst geringem Leistungsverlust transportiert wird. Deshalb sind die bisherigen Leitungen für Dreiphasenwechselstrom (auch Drehstrom genannt) insbesondere zur Anbindung der Off-Shore-Windanlagen nicht geeignet. Stattdessen setzt man auf Gleichstrom, der über HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) transportiert wird. Diese müssen komplett neu errichtet werden. Das kann entweder oberirdisch – also über von Masten getragene Hochspannungsleitungen – oder mithilfe von Erdkabeln geschehen. Beim Bau der Stromautobahnen kommen beide Verfahren zu Einsatz. Erdverkabelung bietet zahlreiche Vorteile und trifft auch deshalb in der Regel auf größere Akzeptanz in der Bevölkerung. So greifen die Trassen weniger in das Landschaftsbild ein als die Überlandleitungen. Die Flächen können nach der Fertigstellung wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Rund 25 Meter breit und zig Kilometer lang sind die Trassenabschnitte, die Köster für die großen Hauptnetzbetreiber baut. Nach Abschluss aller Arbeiten ist von dem Trassenverlauf nichts mehr zu sehen. Landwirtschaftliche Flächen werden wieder bewirtschaftet, ungenutzte Flächen erobert sich die Natur zurück. Bildquelle: Köster GmbH

Neben den Kabeltrassen gehören zu jeder HGÜ-Trasse zwei Arten von Stationen, die den reibungslosen Verkehr auf der Stromautobahn sicherstellen. Wo Erdverkabelung und überirdische Abschnitte aneinanderstoßen, stellen sogenannte Kabelübergangsanlagen die reibungslose Verbindung sicher. Die Verbindung der HGÜ-Leitungen zum bestehenden Stromnetz wird durch Konverterstationen hergestellt. Diese wandeln den für den Transport erforderlichen Gleichstrom in den für Haushalte und andere Abnehmer benötigten Wechselstrom um.  

Netzstabilität bis zum Endverbraucher

Doch der Ausbau der HGÜ-Trassen ist nur ein Teil der Energiewende. Auch die Netze vor Ort müssen an die neue Situation der dezentralen Erzeugung und Einspeisung erneuerbarer Energien angepasst werden, damit der nachhaltige Strom auch bis zum Endverbraucher kommt. Die Netzstabilität muss jederzeit sichergestellt sein – auch wenn bei gutem Wetter viele neue Photovoltaikanlagen gleichzeitig ihren Strom ins Netz einspeisen. Die Stromabgabe im Netz verändert sich ebenfalls, beispielsweise durch E-Ladesäulen. Neben dem Bau von Leitungen gehört deshalb der Bau von Speichereinheiten, sogenannten Battery Energy Storage Systemen, zu einem modernen regionalen Versorgungsnetz. Hinzu kommen Netz-Anpassungen an veränderte bzw. im Wandel begriffene Rahmenbedingungen, beispielsweise durch die kommunale Wärmeplanung oder die Einbindung alternativer Energieformen wie Geothermie.

Die insgesamt 170 km lange KONTEK-Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland stabilisiert das europäische Stromnetz und ermöglicht die Integration erneuerbarer Energien, vor allem aus den Off-Shore-Windparks. Bildquelle: Köster GmbH

Hier gestaltet Köster die Energiewende mit

Köster hat bereits jahrelange Erfahrung beim Bau unterirdischer Höchst- und Hochspannungsleitungen: Schon im Jahr 2013 erstellte das Unternehmen in Wilhelmshaven-Inhausen eine ca. 3,5 km lange Landkabeltrasse inklusive Deichkreuzung ins Wattenmeer hinein für die Anlandung des Offshorewindparks Nordergründe. Immer wieder treibt Köster zudem innovative Entwicklungen bei den Verfahren und Prozessen im Leitungsbau voran. So hält Köster beispielsweise Patente auf das Bettungsverfahren „TransVer“ oder die Köster- Auftriebssicherungen aus Beton „K-ATS“.  

Mit mehreren Unternehmensbereichen ist Köster vielerorts in den Um- bzw. Ausbau des Trassennetzes in Deutschland eingebunden. Und zwar für alle vier großen Hauptnetzbetreiber; dazu zählen Amprion, 50Hertz, TenneT und TransnetBW. Ein paar Beispiele:

  • Im Jahr 2022/23 übernahmen die Köster-Spezialisten bei Rostock die Erneuerung des ca. 15 km langen Erdkabel-Abschnitts der insgesamt 170 km langen KONTEK-Verbindung zwischen Dänemark und Deutschland. Die Trasse stabilisiert das europäische Stromnetz und ermöglicht die Integration erneuerbarer Energien vor allem aus den Off-Shore-Windparks.
  • Für die südniedersächsischen Baulose des Energiewende-Großprojekts SuedLink hat die Übertragungsnetzbetreiberin TransnetBW nach einer europaweiten Ausschreibung die Tiefbauleistungen an die von den Bauunternehmen Köster GmbH und STRABAG AG gebildete ARGE SuedLink Südniedersachsen vergeben. Die Länge: ca. 100 km. Die Arbeiten starteten im Frühjahr 2025.
  • Für den Bau der Offshore-Netzanbindungssysteme BalWin1 und BalWin2, die die Offshore-Windparks mit dem Übertragungsnetz an Land verbinden, setzt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion auch auf die Energieinfrastruktur-Kompetenz von Köster. Köster erhielt den Zuschlag für das Los 3 und damit für einen rund 62 Kilometer langen Abschnitt, der von Bramsche aus bis Bohmte (beide Landkreis Osnabrück/Niedersachsen) und bis nach Ibbenbüren (Landkreis Steinfurt/Nordrhein-Westfalen) führt. Die Köster-Spezialisten für Energieinfrastruktur werden auf dieser Länge die Kabelschutzrohranlage bauen, in die später die Erdkabel eingezogen werden.
  • Im Süden Deutschlands arbeiten arbeiten die Köster GmbH und Weiß & Freytag Ingenieurbau GmbH in einer Arbeitsgemeinschaft  am Abschnitt C1 (München-Markdretwitz) bei Hof am SüdostLink. Gemeinsam erstellen sie dort einen 55 km langen Trassenabschnitt mit 2 parallelen Kabelgräben, 40 Querungen im Horizontalspülbohrverfahren (engl, Horizontal Directional Drilling oder HDD) und 3 Mikrotunnel.

Darüber hinaus ist Köster auch am Bau von zahlreichen Umspannwerken und an der Anpassung vieler lokaler Versorgungsnetze an die neuen Anforderungen beteiligt. Das Unternehmen arbeitet teils seit Jahrzehnten mit kommunalen Energieversorgern zusammen und ist deshalb auch bei den aktuell anstehenden Veränderungen ein gefragter Partner. Ein Beispiel finden Sie hier.

Auch am Bau von zahlreichen Umspannwerken in ganz Deutschland sind die Köster-Spezialisten beteiligt, wie hier im niedersächsischen Landesbergen. Bildquelle: Köster GmbH

Gut zu wissen!

Über Kampfmittelsondierung und archäologische Untersuchungen beim Bau von Stromtrassen

Bevor die unterirdischen Stromtrassen verlegt werden können, muss sichergestellt werden, dass im Erdreich keine gefährlichen Kampfstoffe oder archäologisch bedeutsame Funde verborgen sind. Deshalb sind bei der Planung und dem Bau von Stromtrassen Kampfmitteluntersuchungen und archäologische Sondierungen gesetzlich vorgeschrieben.  

Kampfmittelsondierung

Die Sicherstellung der Kampfmittelfreiheit ist für die gefahrlose Umsetzung der Projekte unabdingbar. Durch die Auswertung von Luftaufnahmen können frühere Einschlagstellen oder militärischen Anlagen häufig schon vorab identifiziert werden. Weitere Erkenntnisse liefert eine Oberflächensondierung vor Ort mittels Geomagnetik, Elektromagnetik oder Georadar. Zudem erfolgt eine Tiefensondierung, bei der ein Georadar in Bohrlöchern zur Untersuchung tieferer Schichten eingesetzt wird. Bei Verdachtsfällen wird das Material durch zertifizierte Räumdienste freigelegt, entschärft und entsorgt. Gegebenenfalls sind auch baubegleitend Kampfmittelräum-Experten vor Ort im Einsatz. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen im Tief- und Rohrleitungsbau ist Köster mit den Abläufen vertraut und arbeitet eng mit den entsprechenden Fachfirmen zusammen. Die Abläufe sind eingespielt, Bauverzögerungen können so auf ein Minimum reduziert werden.

Das Auffinden von Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg ist keine Seltenheit beim Bau von Stromtrassen und birgt große Gefahren. Erfahrene Kampfmittelexperten sondieren den Trassenverlauf noch bevor Bagger zum Einsatz kommen.

Archäologische Untersuchungen

Doch das Erdreich birgt nicht nur Gefahren. Um historische Denkmale bereits vor der Bauphase sicherzustellen und zeitliche Verzögerungen möglichst zu vermeiden, führen die Landesdenkmalämter archäologische Voruntersuchungen durch. Die Vorgehensweise ist je nach Bundesland unterschiedlich. Die Untersuchungsschritte weisen Parallelen zur Kampfmitteluntersuchung auf. Auch hier werden vorab Luftbilder ausgewertet. Vor Ort wird der Boden mittels Suchschnitten sondiert. Im Fall eines archäologischen Fundes wird der Abschnitt gesichert, dokumentiert und gegebenenfalls vollständig ausgegraben. Archäologen begleiten zudem die Arbeiten an den Bauabschnitten. Die Köster-Teams vor Ort sind mit den Abläufen vertraut und haben die Fachleute schon mehrfach tatkräftig bei der Sicherung archäologischer Funde unterstützt. 

Auf diesem Trassen-Baufeld im südlichen Niedersachsen entdeckten Archäologen im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung die Grundrisse eines rund 3.000 Jahre alten Pfahlbau-Hauses. Es maß ca. 16 x 45 m. Alle Funde werden intensiv untersucht und umfangreich dokumentiert. Bildquelle: Köster GmbH

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