Auf dem rund 7.000 m² großen Grundstück am Bauerberg errichtet Köster für den Landesbetrieb SBH | Schulbau Hamburg ein vier- bis fünfgeschossiges Gebäude mit insgesamt rund 7.400 m² Bruttogrundfläche. Der vom Architektur- und Generalplanungsbüro Dietrich Untertrifaller Architekten geplante Neubau bietet optimale Rahmenbedingungen für die Fortbildung von insgesamt 3.500 Mitarbeitenden sowie 625 Auszubildenden und dual Studierenden der Steuerverwaltungen in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Er vereint künftig Lehr- und Seminarräume, Lerninseln, Verwaltungs- und Dozentenarbeitsplätze sowie eine Bibliothek und ein modernes Medien- und Selbstlernzentrum unter einem Dach. Ergänzt wird das Raumangebot durch PC-Räume, Besprechungsbereiche und einen großzügigen Pausenmehrzweckraum, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Eine vollständig barrierefreie Erschließung ermöglicht allen Nutzerinnen und Nutzern einen gleichberechtigten Zugang zu den Bildungs- und Arbeitsbereichen.
V. l.: GMH Gebäudemanagement-Hamburg-Chef Jens Kerkhoff, Köster-Bauleiter Diplom-Ingenieur Oliver Tramm, NoA-Leiterin Kathrin Kersten und Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel bei der Grundsteinlegung für den Neubau der Norddeutschen Akademie für Finanzen und Steuerrecht (NoA) am 11. September 2026. Bildquelle: Köster GmbH
Die besondere Bedeutung des Projektes liegt in seiner Bauweise, wie Finanzsenator Dr. Andreas Dressel anlässlich der Grundsteinlegung am 11. September 2026 betonte: „Erstmals entsteht das neue Hamburger Hochschulhaus – analog zu unserem Hamburger Klassenhaus, das schon an vielen Schulstandorten überall in der Stadt zu finden ist. Das Bausystem ermöglicht eine schnelle Montage, flexible Gebäudestrukturen und eine ressourcenschonende Bauweise – ein echter Meilenstein für nachhaltiges Bauen. Ich wünsche mir, dass dieses Haus einmal in Serie gehen kann. Denn dann wird der Hochschulbau endlich günstiger!“
Bei dem von SBH entwickelten seriellen Holz-Hybrid-Baukastensystem werden massive Stahlbetonkerne mit weitgehend vorgefertigten Bauteilen aus Holz und Holz-Beton-Verbundelementen kombiniert. Auch die Fassaden entstehen als elementierte Holzrahmenkonstruktion mit einem hohen Vorfertigungsgrad.
Das Projekt schafft damit eine Grundlage für weitere Bildungsbauten. Wiederkehrende Bauteile und standardisierte Verbindungen können künftig auch in Folgeprojekten eingesetzt werden. Die Konstruktion wird so geplant, dass Bauteile möglichst trennbar bleiben und später wiederverwendet oder sortenrein in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können. Die Bauteile werden dafür im digitalen Gebäudemodell erfasst und nachvollziehbar dokumentiert. Die Erkenntnisse, die nun beim Bau der NoA gesammelt werden, sollen in die Weiterentwicklung einfließen, um Kosten, Planungs- und Bauzeiten weiter zu reduzieren.
Im Vergabeverfahren überzeugte Köster mit einem auf das Projekt zugeschnittenen Gesamtkonzept, wie Sascha Behrendt, Vertriebsprojektleiter Köster Hochbau Hamburg, erklärt: „Unser Konzept verbindet Planung und Ausführung, die eigene Holzbaukompetenz innerhalb der Unternehmensgruppe und eine detailliert vorbereitete Bau-, Montage- und Logistikstrategie. Die frühzeitige Koordination der Schnittstellen schafft verlässliche Abläufe und eine hohe Ausführungsqualität.“
Eine besondere Stärke ist die Einbindung der Brüggemann Holzbau GmbH, einem Unternehmen der Köster-Gruppe. Planung, Vorfertigung, Qualitätssicherung, Lieferung und Montage der Holzfassadenelemente können dadurch eng aufeinander abgestimmt werden.
Die Fassadenelemente erreichen projektspezifisch einen Vorfertigungsgrad von bis zu 90 Prozent. Auch die Fenster können bereits unter kontrollierten Bedingungen im Werk eingebaut werden. Auf der Baustelle werden die Elemente anschließend montagegerecht eingesetzt und an die vorbereiteten Schnittstellen angeschlossen. Das verkürzt die Montagezeit und reduziert die Arbeiten im sensiblen Baustellenumfeld.
Vor dem Beginn der Serienfertigung stellt Köster ein werkseitiges Fassadenmuster her. An diesem Mock-up werden Gestaltung, Materialqualität, Anschlüsse und Montageabläufe gemeinsam geprüft. So können mögliche Abweichungen erkannt werden, bevor die Produktion beginnt.
Eine wichtige Rolle spielt außerdem der Schutz der Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit. Dafür hat Köster ein projektspezifisches Witterungsschutzkonzept entwickelt. Die Elemente werden bereits im Werk geschützt und während des Transports und der Montage durch Abdeckungen, Schutzbahnen und eine gezielte Wasserableitung gesichert.
Der Neubau des vier- bis fünfgeschossigen Gebäudes der Norddeutschen Akademie der Finanzen und Steuerrecht (NoA) in Hamburg umfasst insgesamt rund 7.400 m² Bruttogrundfläche. Visualisierung: DTFLR
Das Baugrundstück liegt unmittelbar neben einer denkmalgeschützten Grundschule, einer Sporthalle und einer Kindertagesstätte. Das Gelände wurde zuvor als Baustelleneinrichtungsfläche für die Verlängerung der U-Bahnlinie U4 genutzt. Eine mobile Trafostation der Hamburger Hochbahn bleibt während der Bauzeit auf dem Grundstück bestehen. Begrenzte Zufahrtsmöglichkeiten, schützenswerter Baumbestand und der tägliche Schul- und Anliegerverkehr stellen zusätzliche Anforderungen an die Baustellenorganisation.
Köster setzt deshalb auf eine digital gesteuerte Logistik. „Unsere Lieferanten erhalten feste Zeitfenster, die auf den Bauablauf und die Bring- und Abholzeiten der benachbarten Einrichtungen abgestimmt sind. Die vorgefertigten Holz- und Hybridbauteile werden passend zur Montagereihenfolge angeliefert und möglichst unmittelbar vom Lkw an ihren Einbauort gehoben. Das vermeidet lange Zwischenlagerungen und unnötige Materialbewegungen“, erklärt Bauingenieur Oliver Tramm, der das Projekt für Köster leitet.
Kritische Kranhübe und Materialflüsse werden digital vorbereitet. Klare Wegeführungen, Einweiser und gesicherte Schulwege unterstützen einen konfliktarmen Baustellenbetrieb. Lärm- und staubintensive Arbeiten werden nach Möglichkeit in geeignete Randzeiten gelegt. So verbindet Köster eine effiziente Ausführung mit der notwendigen Rücksicht auf das Umfeld.
Da Baufeld im September 2026. Der Neubau des NoA entsteht auf einem rund 7.000 m² großen Grundstück im Hamburger Stadtteil Horn. Bildquelle: Köster GmbH
Das Projekt verfolgt anspruchsvolle Nachhaltigkeitsziele. Angestrebt werden der Effizienzgebäudestandard 40, eine DGNB-Zertifizierung in Gold und das Qualitätssiegel QNG-Plus. Köster begleitet das Erreichen der Ziele mit eigenen Nachhaltigkeitsexperten und DGNB-Auditoren.
Bereits mit dem Angebot wurden die Treibhausgasemissionen, die grauen Emissionen und der langfristige Energiebedarf des Gebäudes untersucht. Die ersten Berechnungen zeigen, dass die grauen Emissionen der Herstellungsphase den maßgeblichen QNG-Richtwert unterschreiten. Eine unternehmenseigene Materialdatenbank unterstützt die Auswahl von CO2-reduzierten und kreislauffähigen Baustoffen. Geprüft werden unter anderem Recyclingbeton, Bewehrungsstahl mit hohem Recyclinganteil sowie zertifizierte Holzprodukte.
Ein projektspezifisches Rückbaukonzept berücksichtigt bereits in der Ausführungsplanung, wie Materialien später getrennt, wiederverwendet oder recycelt werden können. Auch die Baustelle selbst wird nach nachhaltigen Grundsätzen organisiert. Dazu gehören ein konsequentes Abfallmanagement und Maßnahmen zur Reduzierung von Staub, Lärm und Emissionen.
Auch in den Innenräumen bleibt Holz als Baustoff sichtbar. Außerdem überwacht eine bedarfsgerechte Lüftungssteuerung die Raumtemperatur sowie die Luftqualität und schafft so gute Bedingungen für das Lernen und Arbeiten. Visualisierung: DTFLR
Als Generalübernehmer übernimmt Köster neben dem Hochbau auch die Ausführungsplanung und Realisierung der gesamten technischen Gebäudeausrüstung. Architektur, Holzbau, Brandschutz, Energieversorgung, Gebäudetechnik und IT werden dadurch frühzeitig miteinander koordiniert. „Gerade beim hohen Vorfertigungsgrad ist diese Abstimmung wichtig, weil Leitungsführungen und technische Einbauten bereits vor der Produktion festgelegt werden müssen“, betont Köster-Projektleiter Oliver Tramm.
Das Energiekonzept umfasst Wärmepumpen, Photovoltaik auf den begrünten Dachflächen und eine zentrale Gebäudeautomation. Eine bedarfsgerechte Lüftungssteuerung überwacht die Raumtemperatur sowie die Luftqualität und schafft so gute Bedingungen für das Lernen und Arbeiten.
Für die Finanzverwaltung besitzt auch die digitale Infrastruktur eine besondere Bedeutung. Vorgesehen sind getrennte öffentliche und sicherheitsrelevante Datennetze, eine leistungsfähige Glasfaser- und Datenverkabelung sowie ein Serverraum und ein zusätzlicher Backup-Serverraum. Moderne Brandmelde-, Einbruchmelde- und Alarmierungssysteme ergänzen das Sicherheitskonzept. Eine projektspezifische Besonderheit ist die Verbindung der Notfallalarmierung mit der benachbarten Grundschule. Köster koordiniert die vollständige Inbetriebnahme und prüft das Zusammenspiel aller technischen Anlagen. Auch nach der Abnahme, werden die Einstellungen über einen Zeitraum von einem Jahr unter realen Nutzungsbedingungen kontrolliert und optimiert.
Bis es soweit ist, liegen noch etwa 1,5 Jahre Bauzeit vor dem Köster-Team: „Im April 2028 werden wir das Gebäude termingerecht an SBH übergeben“, erklärt Oliver Tramm.
So wird die Norddeutsche Akademie der Finanzen und Steuerrecht (NoA) in Hamburg Horn aussehen, wenn Köster den Neubau 2028 an den Landesbetrieb SBH | Schulbau Hamburg übergibt. Visualisierung: DTFLR
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