Der Masterplan für das Lok-Viertel in Osnabrück - Bis 2034 soll hier ein Stadtteil für etwa 3.500 Menschen entstehen. Bildquelle: Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH
Das Areal, das etwa die Größe von 30 Fußballfeldern hat, liegt direkt am Osnabrücker Hauptbahnhof in zentraler Lage mit optimalen Verkehrsanbindungen. Bis 2034 soll hier ein Stadtteil für etwa 3.500 Menschen entstehen. Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe, Nahversorgung, öffentliche Einrichtungen und grüne Zonen werden eng verknüpft. Autos sollen draußen bleiben.
Bevor auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Neues entstehen kann, musste die komplette Fläche einmal in einer durchschnittlichen Stärke von 1,5 m bis zum „gewachsenen Boden“ abgeräumt werden. Zudem wurde bis zu einer Tiefe von sechs Metern Kampfmittelfreiheit hergestellt. „Wir haben insgesamt 240.000 m³ Boden bewegt“, bringt Köster-Projektleiter Heinz Henning den Auftrag an sein Team auf den Punkt.
Die Köster-Tiefbauexperten hatten zuvor ein wirtschaftliches, förderfähiges und zugleich nachhaltiges Konzept für das Bodenmanagement entwickelt und damit auch den Auftraggeber, die Lok-Viertel-OS GmbH, überzeugt. Im Zentrum stand dabei die GPS-gestützte, digitale Dokumentation aller Bodenbewegungen.
Sobald der Bagger Boden aufgenommen hatte, wurden die Daten in einem digitalen Modell des Areals erfasst und zusammen mit den GPS-Koordinaten hinterlegt.
Der Boden wurde in Fraktionen aufgeteilt auf dem Gelände abgelegt und dann weiterverarbeitet. Auch hier war jederzeit nachvollziehbar, wo sich welches Bodensegment befindet. Der abgebaggerte Boden wurde gesiebt, beprobt, chemisch analysiert, bewertet und sortiert. Etwa 75 Prozent des Bodens konnten in enger Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde wieder vor Ort eingebracht werden. Auch von den 44.000 Tonnen Schutt, die bei der „Enttrümmerung“ des Geländes angefallen sind, konnte etwa die Hälfte vor Ort zum Bau der Baustraßen beziehungsweise der Befestigung der späteren Quartiersstraßen genutzt werden. Nur etwa 25 Prozent des gesamten Bodens wurden an Fachunternehmen zur Entsorgung übergeben. „Entsorgung bedeutet aber nicht zwangsläufig Deponie. Vielfach kann das Material noch als Unterbau im Straßenbau verwendet werden“, erklärt Heinz Henning. Das Konzept des digital dokumentierten Bodenmanagements und vor allem die professionelle und akribische Umsetzung durch das Köster-Team hat überzeugt: „Wir wurden dafür auch von der Unteren Wasserbehörde gelobt“, erinnert sich Heinz Henning. Diese hatte auch besonderes Augenmerk auf die nötige Grundwasserabsenkung: „Das abgepumpte Wasser wurde in einer Aufbereitungsanlage sorgfältig für die kontrollierte Einleitung in die Hase aufbereitet. Auch das hat gut funktioniert“, so Heinz Henning.
Rund 240.000 m³ Boden (Ca. 3 Mio. Schubkarren!) wurden im Rahmen der Enttrümmerungsarbeiten im Osnabrücker Lok-Viertel bewegt. Nun gönnen sich diese Anbauwerkzeuge ein kleines Päuschen. Bildquelle: Köster GmbH
Als besonders große Herausforderung erwiesen sich die Kampfmittelsonderung und -räumung auf dem Areal. Der Güterbahnhof und die umliegenden Industrieanlagen waren ein bevorzugtes Ziel im 2. Weltkrieg. Bevor Köster mit den Arbeiten vor Ort startete, fanden bereits Sondierungen durch ein Spezialunternehmen statt. Zudem begleiteten Kampfmittelsondierer mit ihren Messgeräten alle Arbeitsschritte der speziell verstärkten Bagger. „Insgesamt hatten wir 13.000 Störmeldungen, also Anzeigen, dass dort Material im Boden ist, das potenziell gefährlich sein könnte“, beschreibt Heinz Henning die Situation vor Ort. In solchen Fällen wurde das Material mit der Handschaufel freigelegt. Meist waren es Teile von alten Gleisen oder Weichen. Es gab aber auch viele „Zerscheller“, also Kampfmittel die explodiert sind, sowie kleinere Munition wie Granaten oder Stabbomben. Diese wurden gesammelt und an den Kampfmittelbeseitigungsdienst zur fachgerechten Vernichtung übergeben.
„Man gewöhnt sich an die Abläufe. Aber es war für unsere Mannschaft schon ein außergewöhnlicher Spagat zwischen stetiger Wachsamkeit und angstfreiem Arbeiten. Im Nachhinein bin ich sehr froh und dankbar, dass alle Beteiligten heil und gesund das Projekt abgeschlossen haben.“ Mehrmals wurde es richtig ernst: An insgesamt acht Terminen seit November 2024 machte der Kampfmittelbeseitigungsdienst vor Ort insgesamt 23 Blindgänger unschädlich. Sie wurden entschärft oder kontrolliert gesprengt. Bis zu 20.000 Menschen (Juli 2025) waren von den Evakuierungen betroffen, darunter auch mehrmals ein Krankenhaus und ein Pflegeheim. Während bei fünf Evakuierungen Blindgänger unschädlich gemacht wurden, die zuvor auf dem Areal lokalisiert und gesichert worden waren, gab es auch drei Spontanräumungen, bei denen die Bevölkerung in kurzer Zeit das Sperrgebiet verlassen musste.
Fundstück - Diese historische Zugdeichsel wurde bei den Arbeiten im Lok-Viertel in einer Tiefe von rund 2,50 m entdeckt. In Kürze wird sie als Geschenk den Dampflokfreunden Osnabrück übergeben. Bildquelle: Köster GmbH
Doch nicht nur gefährliche Zeugen der Vergangenheit waren unter der 1,5 m dicken Schicht verborgen, die das Team Stück für Stück abbaggerte: „Wir haben unter anderem die Überreste der alten Petersburg freigelegt und dabei sehr eng mit den Stadtarchäologen zusammengearbeitet“, erinnert sich Heinz Henning. Während solche Funde andernorts oft für lange Verzögerungen sorgten, sei es im Lok-Viertel ausgesprochen reibungslos verlaufen. „Die Archäologen waren flexibel und bereit, sich möglichst an unsere Bauabläufe anzupassen“, beschreibt der Projektleiter das gut abgestimmte Vorgehen. „Und unser Team fand es durchaus spannend, was da zutage kam, beispielsweise der gut erhaltenen Schilfgürtel des alten Burggrabens.“
Nach den vorbereitenden Arbeiten, zu denen auch die Erstellung der Baustraßen und die Vorbereitungen für zwei große Versickerungsmulden zur Umsetzung des Schwammstadtkonzeptes gehören, ist das Lok-Viertel bereit für Neues: „Unsere Zielhöhen passen sehr gut zu den aktuellen Planungen im Quartier. Jetzt kann es dort zügig weitergehen. Es wäre natürlich schön, wenn Köster auch in Zukunft an der Gestaltung des Quartiers beteiligt wäre!“, blickt Heinz Henning zufrieden und zuversichtlich auf das Lok-Viertel. „In unserem Projektteam waren überwiegend Mitarbeitende aus Osnabrück und dem unmittelbaren Umfeld. Wir alle freuen uns auf das, was jetzt hier entstehen kann. Es wird in jedem Fall eine echte Aufwertung für diesen Teil der Stadt. Das Projekt wird ja auch überall - in Osnabrück und darüber hinaus - sehr positiv betrachtet.“
V. l.: Heiko Hellwege (Geschäftsführer Lokviertel OS GmbH), Felix Osterheider (Vorsitzender der Aloys und Brigitte Coppenrath Stiftung und Beiratsvorsitzender der Gesellschaft), Burkhard Bojazian (Geschäftsführender Gesellschafter Justus Grosse Immobilienunternehmen und Geschäftsführer der neuen Lokviertel Entwicklungsgesellschaft mbH). Foto: © Walkenhorst
Im April 2026 hat Burkhard Bojazian, Geschäftsführender Gesellschafter in den Bereichen Projektentwicklung und Energieerzeugung bei der Immobiliengruppe Justus Grosse die Vermarktung des Areals übernommen. Drei Projekte sind bereits auf den Weg gebracht: Die Fox Living, eine Tochtergesellschaft der Fox Real Estate, plant den Bau von 300 möblierten Appartements, die sich insbesondere an Studierende, Auszubildende und junge Berufstätige richten. Das Meppener Unternehmen Pro Urban hat sich zwei Parzellen vertraglich reservieren lassen und will noch in 2026 mit dem Bau von 200 Mikroappartements für Studenten und Berufstätige sowie rund 100 Zweierappartements in einem WG-Konzept starten. Außerdem ist mit der Weiche e.G. ein genossenschaftlich organisiertes Wohnungsbauprojekt vertreten, dass etwa 70 Wohneinheiten im Lok-Viertel realisieren möchte. Weitere Projekte, darunter ein Verwaltungsgebäude für das bereits ein Grundstück angekauft wurde, befinden sich in der Verhandlungsphase.
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